Mein Leben in Stichworten

Heimat

Habe ich gleich doppelt. Geboren bin ich im Sauerland. Hier feiere ich Weihnachten und Schützenfest. Außerhalb der Feiertage findet mein Leben in Tübingen statt, Weltgeistkulturerbe und Heimat zum Vornehm-Sein. Legt man das Bücheraufkommen pro Kopf zugrunde, ist Tübingen die klügste Stadt Deutschlands. Hinzu kommt eine über 500 Jahre alte Universität. Hier finde ich für jede noch so komplizierte Frage einen Experten, der nur darauf wartet, sie zu beantworten.

Traumberuf

War als Kind der Beruf meines Vaters. Er hatte ein Bettengeschäft. Doch dann wurde ich Zeuge, wie er und ein paar mir unbekannte Männer über ihre Arbeit sprachen. Der erste erklärte, er mache in Versicherungen, der zweite in Draht. Dann kam die Reihe an meinen Vater: „Ich mache in Betten.“ Da beschloss ich, „Dichter“ zu werden.

Bildung

Ein bisschen kann nicht schaden, wenn man Romane schreibt. Meine Geschichten spielen ja nicht in Phantasialand, sondern stets in einer konkreten Wirklichkeit, und in der sollte ein Autor sich so gut auskennen, dass seine Romangestalten sich darin überzeugend zurecht finden. Aber mindestens ebenso wichtig wie Sachkenntnis ist Menschenkenntnis. Und da habe ich die beste Schule durchlaufen, die man sich wünschen kann: im Bettengeschäft meiner Eltern. Wenn man Verkaufsgespräche im Schlafzimmer führt, lernt man Menschen unglaublich schnell kennen, mit all ihren Vorlieben und Macken. Davon zehre ich bis heute.

Literatur-Wissenschaft

Natürlich hat mein Studium mein Verhältnis zur Literatur geprägt. Doch Theorie und Praxis sind zweierlei. Ein Vogel kann zwar fliegen, aber er hat keine Ahnung von Vogelkunde. Umgekehrt wird nicht mal der perfekteste Vogelkundler sich jemals in die Lüfte aufschwingen. Soll heißen: Wenn man Literatur studiert hat, kann man noch lange keine Bücher schreiben. Das hat viel mehr mit der eigenen Persönlichkeit als mit dem Studium zu tun, mit den Fragen, die man ans Leben stellt, mit dem Interesse an anderen Menschen und ihren Geschichten.

Recherche

Die Recherche macht natürlich einen großen Teil der Arbeit aus. Ich reise zu den Schauplätzen, konsultiere die verschiedensten Experten, vergrabe mich in Bibliotheken. Doch das empfinde ich nicht als Last, sondern als Lust, weil ich dabei ungeheuer viel lerne. Den Verlag freut´s auch, der Aufwand geht ja zu meinen Kosten. Gratis dagegen ist die wichtigste Recherche: in den Dunkelkammern meiner Seele. Die kostet nur Nerven.

Frauen

Ihnen verdanke ich fast alles Gute in meinem Leben: angefangen von der Frau, die mich geboren hat, über die Frau, die das Leben mit mir teilt, und die Frau, zu der sich unsere Tochter entwickelt hat und die uns irgendwann hoffentlich mit Enkelkindern beglücken wird, bis zu den Frauen in meinen Romanen, die mir und meiner Familie unser Auskommen sichern.

Männer

Autoren sind Menschen, die über das schreiben, was sie am meisten interessiert. Und ich habe Frauen schon immer interessanter gefunden als Männer. Nicht nur im Leben, auch in Romanen. „Richtige“ Männer handeln zielgerichtet, konsequent, logisch. Wie langweilig! Frauen sind dagegen – im positiven Sinn – viel widersprüchlicher, chaotischer, emotionaler. Sie machen das Leben spannend und bunt. Darum sind sie die geborenen Romanfiguren.

Leberwurst

War der einzige Brotbelag, den ich als Kind akzeptierte. Weil mein Großvater immer sagte, man dürfe nur dem Metzger trauen, der seine eigene Leberwurst isst – und das tat unser Metzger. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich heute meine Bücher nach dem Leberwurstprinzip schreibe – nämlich solche Bücher, die ich selber gerne lesen würde.

Kitsch

„... ist, wenn der Leser weint.“ Sollte diese Definition eines berühmten Kollegen, dessen Namen ich gerade vergessen habe, tatsächlich stimmen, dann produziere ich gerne Kitsch. Tränen sind das schönste Kompliment, das mir ein Leser machen kann. Zum Beispiel die Tränen, die eine 85jährige Frau bei der Lektüre des „Bernstein-Amuletts“ weinte. Der Roman, so sagte sie mir am Telefon, gebe ihr eigenes Schicksal im geteilten Deutschland wider – „außer den Sexszenen“, fügte sie sehr energisch hinzu.

Aufklärung

Erfolgte bei mir eher unzeitgemäß. Obwohl in meiner Pubertät Oswald Kolle Hochkonjunktur hatte, drückte meine Mutter mir ein Heftchen von einem Jesuitenpater in die Hand. So was hinterlässt Spuren. In meinem Fall eine Dissertation über „Glanz und Elend der erotischen Libertinage“. Und einen Roman, „Die Philosophin“, über die Entstehung des wichtigsten Buchs der französischen Aufklärung, die „Encyclopédie“ von Diderot und d´Alembert.

Italien

Habe ich als Kind nie gesehen – die Familie Prange machte Urlaub nicht in Rimini, sondern in Eckernförde. Trotzdem war Italien das Land meiner Träume. Weil das Pferd, auf dem ich mein Reitabzeichen machte, „Florenz“ hieß. Mit der Beisetzung des Wallachs ruhte meine Italienliebe dann dreieinhalb Jahrzehnte und erwachte erst im Heiligen Jahr 2000 wieder, als ich auf der Piazza Navona in Rom die Eingebung zu meiner „Principessa“ hatte. Die Eingebung erfolgte durch den Heiligen Geist persönlich, sprich: durch meinen Agenten Roman Hocke. Am Vier-Ströme-Brunnen erzählte er mir von der Rivalität der beiden großen Barockbaumeister Bernini und Borromini. Mit solcher Begeisterung, dass ich einen Roman daraus machen musste. „Florenz“ möge es mir verzeihen.

Horaz

„Aut delectare aut prodesse volunt poetae – die Dichter wollen entweder nützen oder erfreuen....“ Aus diesem altmodischen Grund schreibe ich historische Romane. Weil bei allen Veränderungen des Lebens die wesentlichen Antriebskräfte des Menschen stets dieselben sind und bleiben: Liebe, Hass, Schönheit, Eifersucht usw. Doch das allein macht eine Geschichte aus der Geschichte noch nicht erzählenswert. Entscheidend ist, ob sie für uns heute noch von Bedeutung ist, uns widerspiegelt in unserem eigenen Selbstverständnis. Wenn das gelingt, hat sich die Mühe gelohnt.

Träume

Geben dem Leben Richtung und Sinn. Das behauptete ich einst in dem Ratgeber „7 Wege zum Misserfolg“. Um festzustellen, dass ich im Begriff stand, vor lauter Geldverdienen meinen bis dahin größten Traum zu verraten: die Geschichte einer Familie in Deutschland, als Sinnbild der zweigeteilten Nation, vom Zusammenbruch bis zur Wiedervereinigung. Gott sei Dank holte mich mein Gewissen ein: Das Leben ist zu kurz, um es mit Geldverdienen zu verplempern! Also nahm ich meine eigenen Ratgeber-Weisheiten endlich ernst und schrieb das „Bernstein-Amulett“.

Metamorphosen

Gibt es auch heute noch. Zum Beispiel, als mein Roman „Das Bernstein-Amulett“ verfilmt wurde, um sodann als „Buch zum Film“ endlich seine Daseinsberechtigung zu erlangen. Ovid hätte seine Freude daran gehabt.

Lebensmotto

„Kunst ist, wenn man´s nicht kann, denn wenn man´s kann, ist´s keine Kunst.“
Johann Nestroy

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